HAUKARI e.V. Drucken

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Hintergrund

Die Autonome Region Kurdistan ist eine Region im Nordirak. Dieses Gebiet wird - in Abgrenzung vom nördlichen türkischen Teil - auch als Südkurdistan bezeichnet. Die nachstehende Karte zeigt, wo die kurdischen Siedlungsgebiete im Irak liegen:

Kurdische Siedlungsgebiete im Irak

(Quelle: Wikipedia)

Bis heute ist Südkurdistan faktisch unabhängig, international jedoch nicht anerkannt und befindet sich somit in einem provisorischen politischen Schwebezustand.

Während der Diktatur des Baath-Regimes von Saddam Hussein war der kurdische Teil des Nordiraks politisch und wirtschaftlich benachteiligt und wiederholten Repressalien der Regierung ausgesetzt. Dieses schlug sich unter anderem in einer hohen Anzahl an Flüchtlingen nieder, die in ihrer Heimat keine Perspektive mehr hatten und ihr Glück in Europa suchten.

Besonders die Situation der Frauen war und ist äusserst schwierig. Auf der Website von HAUKARI e.V. findet sich eine sehr drastische Zusammenfassung, die hier wegen ihrer Plakativität nur leicht gekürzt zitiert wird:

"Wie in der gesamten kurdischen Bevölkerung hat die irakische Gewaltherrschaft auch unter den Frauen verheerende Spuren hinterlassen. Tausende von ihnen waren als politische Gefangene in irakischen Gefängnissen. Die Geschichte des von ihnen Erlittenen ist bis heute in der öffentlichen Diskussion tabuisiert.
Hunderttausende von Frauen haben Angehörige verloren: bei militärischen Operationen, durch Giftgasangriffe, auf der Flucht - und während der Anfal-Operationen 1988.
Die Zahl der so genannten Anfal-Witwen wird auf 50.000 geschätzt. Diese Frauen wurden während der Anfal-Operationen 1988 von ihren männlichen Angehörigen und häufig auch von ihren Töchtern getrennt. Sie selbst haben Monate in irakischen Militärlagern verbracht. Durch ihre dort erlittenen Gewalterfahrungen sind sie gezeichnet und stigmatisiert. Über das Schicksal ihrer damals deportierten Angehörigen - die Zahl der während Anfal verschwundenen KurdInnen wird von kurdischer Seite auf 182 000 geschätzt - haben sie bis heute keinerlei Information.
Viele von ihnen leben immer noch in den damals von der irakischen Regierung errichteten Umsiedlungslagern. ... Die Ungewißheit über das Schicksal ihrer Angehörigen hindert sie an der Entwicklung neuer Lebensperspektiven. Als alleinstehende Frauen aber nicht Witwen ist ihr sozialer und rechtlicher Status ungeklärt und sind sie besonderer sozialer Kontrolle ausgesetzt. Sie müssen die Ehre ihrer verschwundenen Männer, Väter und Brüder wahren, ohne aber deren Schutz zu genießen. Gleichzeitig müssen sie sich aber als Tagelöhnerinnen oder Hilfsarbeiterinnen verdingen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. So sind sie vielfach Opfer von Verleumdungen und Gewalt."

Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 1995 HAUKARI e.V. gegründet. HAUKARI e.V. ist ein gemeinnütziger entwicklungspolitischer Verein mit dem Arbeitsschwerpunkt Südkurdistan (Kurdistan-Irak). Insbesondere die von Anfal betroffenen Gebiete in der Germian-Region und die Stadt Sulaimania und Umgebung zählen zu den Einsatzgebieten des Vereins.

Mehrere Mitglieder des Vereins haben schon zu Beginn der 90er Jahre für Hilfsorganisationen oder journalistisch in und zu den kurdischen Gebieten im Irak gearbeitet.

Zielsetzungen

Leitgedanken der Projektarbeit von HAUKARI e.V. sind die Unterstützung von Selbsthilfeinitiativen, die Stärkung von Frauen im gesellschaftlichen Prozess und die Unterstützung von sozialen Problem- und Randgruppen (innerkurdische Flüchtlinge, Opfer irakischer Gewaltherrschaft).

Mit diesen Leitgedanken unterstützt der Verein im irakischen Teil Kurdistans Initiativen und Projekte zur Frauenförderung und im Gesundheitswesen und setzt sich für die Opfer politischer Gewalt ein. Parallel dazu möchte HAUKARI e.V. in Europa in Veranstaltungen und Publikationen Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit schaffen für die Situation der in Südkurdistan lebenden Menschen.

Projekte

Alle Projekte von HAUKARI e.V. im Irak werden von lokalen Partnerorganisationen durchgeführt. HAUKARI e.V. leistet Unterstützung in den Bereichen der Beratung, der finanziellen Förderung und der Öffentlichkeitsarbeit.

Nachfolgend werden zunächst die laufenden Projekte des Vereins im Irak vorgestellt.

Zentrum für Mädchen und Frauen KHANZAD

In dem ausschließlich für Frauen zugänglichen Beratungs- und Bildungszentrum werden Alphabetisierungs-, Computer- und Sprachkurse angeboten, eine Frauenfahrschule, Beratung in Rechts-, Gesundheits- und Familienfragen sowie ein breites Freizeit und Veranstaltungsangebot. HAUKARI e.V. initiierte das Zentrum im Jahr 1996, förderte den Aufbau und finanziert seither die laufenden Kosten. Seit 2002 fördert HAUKARI e.V. zudem Alphabetisierung und Beratung von Frauen in Randbezirken Sulaimanias.

Präventive Gesundheitsarbeit der Kurdistan Health Foundation (KHF)

Seit 1991 besuchen mobile Teams der KHF entlegene Dörfer und informieren die Bevölkerung über gesundheitliche Gefahren, die Bedeutung von Hygiene, Ernährung und sauberem Wasser, bilden Hebammen und Gesundheitsarbeiter aus und sammeln Daten über die Versorgungssituation. HAUKARI e.V. unterstützt die KHF-Teams vor allem in den von Anfal betroffenen Dörfern in der Germian-Region und in den Lagern innerkurdischer Flüchtlinge.

Friedenszentrum in Tuz Khurmatu (Provinz Tikrit)

Mit dem "Zentrum für gesellschaftliche Entwicklung und soziale Verantwortung - As Salam" in Tuz Khurmutu möchte HAUKARI e.V. ein Zeichen gegen die Gewalt setzen. Mit diesem Projekt verbindet sich der Versuch ein spezifisches Angebot für Opfer politischer Gewalt und Angehörige vermisster Personen zu entwickeln. Dabei soll insbesondere auch der Dialog zwischen den in der Stadt ansässigen arabischen, kurdischen und turkmenischen Bewohnern gefördert werden.

Seit der Eröffnung des Zentrums im März 2004 hat das multiethnische Projektleitungsteam trotz schwieriger äusserer Umstände und der zeitweilig Spannung geladenen Atmosphäre in der Stadt zahlreiche Aktivitäten entwickeln können. In einer kleinen Ambulanz werden Frauen versorgt, deren Männer zu Zeiten der Baath-Diktatur verschleppt und ermordet wurden. Diese Frauen haben auf Grund ihrer Randstellung patriarchalen Gesellschaft besonders unter der mangelhaften medizinischen Versorgung während der letzten 14 Jahre gelitten. Ein Team von Sozialarbeiterinnen nimmt sich Frauen mit Behinderungen, Krankheiten oder in besonderen Notlagen wie der Gewaltanwendung durch männliche Familienmitglieder an. Die Sozialarbeiterinnen bereiten sich intensiv auf die psychosoziale Beratung und Begleitung der Frauen bei der anstehenden Öffnung der Massengräber vor.

Mit Hilfe von Seminaren und Workshops wird versucht, das Gespräch zwischen den unterschiedlichen ethnischen Gruppen kontinuierlich zu fördern und daraus neues Vertrauen für gemeinsame Vorhaben zu entwickeln.

Abgerundet wird das Programm durch ein Bildungsangebot (Alphabetisierungs- und Computerkurse), das sich bevorzugt an Gewaltopfer wendet.

AKTUELL (Stand März 2007): Aus Sicherheitsgründen musste das Zentrum "As Salam" in Tuz Khurmatu Ende 2006 geschlossen werden. Momentan werden Möglichkeiten eruiert, wie das Projekt fortgesetzt werden kann. Darüber hinaus wurde damit begonnen, Interwiews mit Zeitzeugen filmisch aufzunehmen und zu dokumentieren. Eine Zusammenstellung von Interviewausschnitten mit Anfal Überlebenden und Einzelinterviews wird im Rahmen von Trainingsmaßnahmen für lokale Sozialarbeiter/-innen und Psycholog/-innen vor Ort genutzt. Auf Grundlage der Interviews wurde der 20minütige Dokumentarfilm "Enfal" in deutscher und englischer Sprache fertig gestellt, der über HAUKARI bezogen werden kann (DVD oder VHS).

Neben diesen laufenden Projekten hat der Verein zahlreiche bereits abgeschlossene Projekte im Irak durchgeführt:

  • Nothilfeprogramm für die Zivilbevölkerung während des Krieges im Frühjahr bzw. Sommer 2003
  • Instandsetzung mehrerer Räume im Stadtmuseum Sulaimania (1998)
  • Unterstützung des Komitees für die Angehörigen von Anfal-Opfern, Kifri (1999/2000)
  • Medizinische Grundversorgung von aus Kirkuk vertriebenen Familien im Flüchtlingslager Bazyan in Zusammenarbeit mit der Kurdistan Health Foundation
  • Bau einer Grundschule in dem Dorf Mahubiznan (Pishder-Region) in Zusammenarbeit mit der lokalen NRO Better Life for Kurds (BLK) (1996/1997)
  • Unterstützung von irakisch-kurdischen Flüchtlingen in Flüchtlingslagern im Iran (1996/1997)
  • Instandsetzung der Stadtbibliothek Rania, Einrichtung eines Frauenlesesaals (1996)
  • Instandsetzung der Wasserversorgung in der Kleinstadt Kalar (Germian-Gebiet) in Zusammenarbeit mit der kurdischen NRO Kirkuk Rehabilitation Society (1996)
  • Unterstützung des Netzwerkes CHRA bei der Durchführung von Alphabetisierungskursen für Frauen und Mädchen (1996)
  • Medizinische Versorgung von Anfal-Witwen; 1999 eröffnete eine internationale Hilfsorganisation eine Ziegelei im ehemaligen Umsiedlungslager Shorish (Provinz Kirkuk). In ihr arbeiteten 57 Witwen aus Chamchamal und Sengaw, deren Männer während der Anfal-Operationen getötet oder verschleppt worden waren (s.Bild). Die Arbeitsbedingungen waren sehr hart, die Entlohnung nur gering (60 US-Cent täglich bei sechsstündiger Arbeitszeit). Die Frauen waren zudem noch Mehrfachbelastungen durch die Haushaltsführung und Kindererziehung ausgesetzt. Mit der Betriebsleitung und den Arbeiterinnen wurde ein Programm entwickelt, das zum Einen eine Verbesserung der Arbeitsplatzgestaltung und zum Anderen eine medizinische Grundversorgung sowie eine aktive partizipative Gesundheitserziehung gewährleisten sollte.


Ziegelei

Kurzzusammenfassung

  • entwicklungspolitische Hilfe in Südkurdistan (Irak)
  • Schwerpunkt: Unterstützung von Initiativen und Projekten zur Frauenförderung und im Gesundheitswesen
  • Projekte im Irak werden von lokalen Partnerorganisationen durchgeführt
  • enge Kooperation mit der Kurdistan Health Foundation (KHF)
  • parallel zur Arbeit im Irak Öffentlichkeitsarbeit in Europa (Publikationen, Veranstaltungen)

 

Wie können Sie helfen? 

  • allgemeine Geldspenden (z.B. für das Frauenzentrum KHANZAD)
  • Beitritt zum KHANZAD-Frauen-Förderkreis (nähere Informationen hier)
  • Mitgliedschaft im Verein (Antragsformular auf der Website)



 

Weitere Informationen über HAUKARI e.V. finden Sie auf der Website des Vereins


Quellen:
http://www.haukari.de
Letzte Aktualisierung ( Freitag, 21. März 2008 )