Zaza Faly e.V. Drucken

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Hintergrund

Die katastrophale wirtschaftliche und soziale Situation Madagaskars wird von der Welthungerhilfe wie folgt beschrieben:

"Das Bruttsozialprodukt der viertgrößten Insel der Erde ist während der letzten 30 Jahre jährlich durchschnittlich um 0.5 Prozent gewachsen. Bei einem Bevölkerungswachstum von rund drei Prozent bedeutet dies jedoch eine kontinuierliche Verschlechterung der Lebensbedingungen. Mehr als 70 Prozent der Bevölkerung leben in Armut, 60 Prozent der Gesamtbevölkerung fallen unter die Kategorie der "extremen Armut". Eine hohe Inflationsrate, fehlende und mangelhafte Infrastrukturen sowie ein hoher Analphabetismus (Männer: ca. 26 %, Frauen: ca. 40 %) blockieren bis dato die Bemühungen der Regierung für eine Verbesserung der Situation." (Quelle: Welthungerhilfe)

 

Die weit verbreitete Armut auf Madagaskar wird auch in der folgenden Übersicht deutlich (linke Seite: reichste Länder, rechte Seite: ärmste Länder der Welt):

Armut in Madagaskar

(zitiert nach Learnline)

Besonders betroffen von der wirtschaftlichen Schieflage des Landes sind - wie in so vielen Entwicklungsländern - die Kinder. Auch in Madagaskar gibt es - unterstützt durch eine fortschreitende Landflucht - viele Straßenkinder, die in den großen Städten orientierungs- und perspektivlos ein menschenunwürdiges Dasein auf der Straße fristen. Aufgrund zerrütteter oder nicht vorhandener familiärer Bindungen schaffen es viele dieser Kinder ohne fremde Hilfe nicht, der sich immer schneller drehenden Teufelsspirale aus Armut, Krankheit und Kriminalität zu entfliehen. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Kinder von der Gesellschaft nicht toleriert, sondern geradezu geächtet werden.

Vor diesem Hintergrund leistet der im Jahr 1994 gegründete und als mildtätig anerkannte Verein Zaza Faly e.V. konkrete Hilfe. Der Verein initiierte vier Hilfsprojekte für Straßenkinder in Antananarivo, der Hauptstadt Madagaskars. Seit der Gründung der einheimischen Hilfsorganisation Manda ("schützende Burg") im Jahr 1999 befinden sich diese Hilfsprojekte in madagassischer Selbstverwaltung, aber unter ständiger Begleitung durch Zaza Faly e.V. 

Zaza Faly e.V. trägt sich in Deutschland durch die transparente und größtenteils ehrenamtlichen Arbeit des Vereinsvorstandes und Beirats ohne teure Verwaltungshierarchien. Nur der Vereinsvorsitz sowie die Geschäftsführung erhalten eine Aufwandsentschädigung.

Finanziert wird die Arbeit des Vereins durch Projektpaten/innen, freie Spender/-innen und Vereinsmitglieder. Der Verein erhält keinerlei finanzielle staatliche Unterstützung.

Es arbeiten Geschäftsstellen in Berlin und Offenburg.

Zielsetzungen

Zaza Faly e.V. möchte Straßenkindern in Antananarivo unter die Arme greifen und ihnen die Unterstützung geben, die für einen Ausstieg vom Leben auf der Straße notwendig ist.

ProjekteManda - schützende Burg

Zaza Faly e.V. unterstützt die madegassische Hilfsorganisation "Manda" finanziell, organisatorisch und personell und führt jährliche Projektkontrollen durch. Zwischen Zaza Faly e.V. und "Manda" gibt es konkrete Finanzierungsvereinbarungen im Rahmen eines Kooperationsvertrages.

Im Folgenden werden die von "Manda" unterhaltenen Hilfsprojekte kurz vorgestellt. Detaillierte Informationen finden sich auf der Website von Zaza Faly e.V. (Weitere Informationen zu "Manda" gibt es unter anderem hier.)

Sozialstation Tsiry

a) Allgemeines Programm
  • Gründung: Im Oktober 1995 gründete Zaza Faly das Sozialzentrum.
  • Hauptziel: die kontinuierliche Betreuung von ca. 200 Kindern aus zwei verschiedenen Straßenkindergruppen im Alter von 3-18 Jahren.
  • Das Projekt akzeptiert den Lebensraum Straße mit all seinen Prägungen auf die Kinder und versucht, unter Beachtung ihrer besonderen Mentalität, humanere Lebensbedingungen zu schaffen sowie eine schrittweise Resozialisierung einzuleiten.
  • Hauptkriterium dabei ist ein Hygieneprogramm (Zahn- und medizinische Grundversorgung, Gelegenheit zum Duschen, Waschen und Wechseln der Bekleidung).
  • Das Haus bietet außerdem Übernachtungsmöglichkeiten für Kinder in Not und mit erhöhter Pflegebedürftigkeit.
  • Die tägliche Ausgabe von abwechslungsreichen Speisen gehört des Weiteren zum Grundprogramm der Sozialstation wie auch der Besuch der eingerichteten Schule.
  • Ein Grundanliegen des Unterrichts durch einheimisches Lernpersonal ist die Alphabetisierung und Resozialisierung auch für ältere Straßenkinder. Um möglichst frühzeitig den negativen Prägungen durch das Leben im Straßenmilieu  entgegenzuwirken versorgt das Projekt täglich auch eine Gruppe von 15-20 Kindern im Vorschulalter (3-6 Jahre).

b) Neue Programmpunkte

Einschulungsprojekt

Seit 2005 wird in Zusammenarbeit mit dem staatlichen madagassischen Bevölkerungsministerium und SE/CNLS (Nationales Komitee zur Armutsbekämpfung) verstärkt versucht, Projektkinder in staatliche Regelschulen zu vermitteln.

Hierfür wurde ein Einschulungsprojekt ins Leben gerufen, von dem seit 2005 mehr als 400 ehemalige Straßenkinder profitieren konnten (2005: 46 Kinder, 2006: 112 Kinder, 2007: 100 Kinder, 2008: 143 Kinder).

Familienhilfen/ Mikrokredite

Einhergehend mit den Einschulungen werden Familienhilfen angeboten. So gibt Zaza Faly/ Manda Kleinkredite für Renovierungen kleiner Wohnunterkünfte sowie Mietzuschüsse und übernimmt die Kosten für Schulgelder- Materialien- Kleidung, Essen, Kosten für Geburtsurkunden oder Medikamente (2- max. bis 10 Euro pro Monat).

Einmal pro Woche findet dann ein direktes Gespräch mit den Familien und der Sozialarbeiterin der Sozialstation statt.

ASAMA-Schulprojekt

Seit 2005 nimmt "Manda" am Schulprogramm "ASAMA" teil, welches von der PNUD (Entwicklungsprogramm der UNO) ins Leben gerufen wurde, auch teilweise finanziert wird und seit einem Jahr komplett von "Zaza Faly" finanziert wird.

An diesem Programm können 50 Projektkinder teilnehmen. Es beinhaltet eine einjährige intensive Schulausbildung (5x pro Wochen á 8 Std.) und endet mit dem ersten staatlich anerkannten Schuldiplom "Lyceé".

Ca. 76% der ersten drei Jahresdurchgänge haben die Abschlussprüfungen erfolgreich bestanden und konnten auf staatliche Schulen bzw. in Ausbildungsprojekte o.ä. vermittelt werden.

"Tsiry" ist nicht zuletzt ein Ort der Zuflucht und Geborgenheit. Gewährleistet wird dies durch 18 madagassische fest Angestellte sowie deutsche freiwillige Mitarbeiter/innen.

Ausbildung

Seit Anfang 1998 begann "Zaza Faly", Ausbildungsplätze für Jugendliche zu schaffen. Zurzeit befinden sich insgesamt 42 Jugendliche in verschiedenen Ausbildungsmaßnahmen, innerhalb und außerhalb der NRO "Manda". 

Tischlerei-Ausbildungswerkstatt "Felana" (Blatt)

  • Im Dezember 1997 wurde die Werkstatt unter der Leitung eines madagassischen Ausbilders für 10 ehemalige Projektjungen der Sozialstation eröffnet.
  • Die Jugendlichen erhalten über einen Zeitraum von maximal 24 Monaten umfangreichen theoretischen (Mathematik, Madagassisch, Französisch, Religion, Geografie, Aufklärung) sowie praktischen Unterricht.
  • Seit Mitte des Jahres 2000 kam es erstmals zur allmählichen Ausgliederung der Projektjungen, bei der Zaza Faly erfolgreich bei der Arbeitsplatz- und Wohnungssuche behilflich war.
  • So wurden von den 36 Jugendlichen, die seit 1998 bei "Felana" untergebracht wurden, immerhin 24 in feste Arbeitsverhältnisse integriert. 9 Jungen sichern ihren Lebensunterhalt mit gelegentlichen Aufträgen und anderen Arbeiten auf den Märkten. Mit 3 Jungen gibt es keinen direkten Kontakt mehr. Keiner hat sich weiterhin für ein Leben auf der Straße entschieden. Angesichts der aktuellen Arbeitsmarktsituation (ca. 50 % Arbeitslosigkeit) und der Geschichte der Jungen, kann dieses als beachtlicher Erfolg angesehen werden. 

 

Web- und Näh-Ausbildungswerkstatt "Vony" (Knospe) 

  • Im April 1998 wurde das Ausbildungsprojekt "Vony" für max. 15 ehemalige  Projektmädchen der Sozialstation eröffnet.
  • Ihnen soll nun die Möglichkeit zu einer Ausbildung in Weben und Nähen eröffnet werden.
  • Ziel dieser Ausbildung ist es, einer begrenzten Anzahl vom Straßenmädchen, die auf dem madagassischen Arbeitsmarkt bestenfalls als ungelernte Hilfskräfte enden würden, die Möglichkeit zu einer beruflichen Ausbildung sowie selbständigen Arbeit zu geben. 
  • Drei fest angestellte madagassische Mitarbeiterinnen gewährleisten dies durch die Vermittlung ausgewogener theoretischer (Mathematik, Madagassisch, Französisch, Aufklärung, Religion, Geografie) sowie praktischer Kenntnisse.
  • Nach Beendigung ihrer Ausbildung ist "Manda" auch hier bei der Suche nach Arbeitsplätzen behilflich. So wurden von den 41 Mädchen, die seit dem Jahr 2000 ihre Ausbildungen beendeten, 25 in feste Arbeitsverhältnisse integriert. 7 von ihnen sind in anderen Berufen tätig (Arbeit auf dem Markt, Haushaltshilfen), 5 sind verheiratet und/oder arbeiten als Hausfrauen. Mit drei von ihnen gibt es keinen direkten Kontakt mehr. Von keinem der ehemaligen Projektmädchen ist  bekannt, dass eines ihren Lebensmittelpunkt wieder auf der Straße hat.


Tourismusprojekt

  • Um die Zukunftschancen der Jugendlichen zu verbessern, entstand der Gedanke, einen dritten Ausbildungszweig anzubieten und 18 ausgewählte Jugendliche seit dem 3. September 2007 über einen Zeitraum von drei Jahren zu alternativen Stadtführern in Antananarivo auszubilden.
  • Ziel ist, dass die Jugendlichen selbst von ihren eigenen speziellen Kenntnissen profitieren können, denn Straßenkinder kennen "ihre Stadt" mit all ihren Facetten und Geschichten besser als die meisten anderen Bewohner Antananarivos. Sie erzählen Geschichten mit unterschiedlichen Hintergründen und aus einer anderen Perspektive.
  • Die Stadtführer sollen diejenigen Touristen ansprechen, die nicht ausschließlich nur an der historischen Geschichte, der Kunst und traditionellen Kultur der Stadt interessiert sind, sondern vor allem am wirklichen Leben und der sozialen Situation der Bewohner Antananarivos. Diese Art von Tourismus existiert in Madagaskar bisher noch nicht.
  • Durch das geplante Projekt wird das touristische Angebot Antananarivos um einen sozialen Bestandteil vergrößert und die Aufmerksamkeit der Touristen auf die soziale Infrastruktur der Stadt gelenkt. Vorstellbar ist auch, einen Besuch einer der zahlreichen Organisationen und Sozialzentren in die Stadtführung mit einzubeziehen, da sehr viele Touristen ein reges Interesse an solchen Einrichtungen haben, ein Besuch bisher jedoch oft ausbleibt, da Ansprechpartner fehlen.   

    Kurzzusammenfassung

    • Hilfe zur Selbsthilfe für Straßenkinder in Antananarivo (Madagaskar)
    • Durchführung von drei Hilfsprojekten in madagassischer Selbstverantwortung (durch die Sozialstation Tsiry)
    • Projektbegleitung und Evaluation durch Zaza Faly e.V. 






    Wie können Sie helfen? 

    • Geldspenden, auch als Online-Spende per Bankeinzug
    • Projektpatenschaft (monatliche Kosten: 25 €)
    • Mitarbeit vor Ort im Rahmen eines Praktikums oder über den "Anderen Dienst im Ausland" nach §14b des Zivildienstgesetzes





    Weitere Informationen über Zaza Faly e.V. finden Sie auf der Website des Vereins


    Quellen:
    http://zaza-faly.uhura.de 
    http://www.welthungerhilfe.de 
Letzte Aktualisierung ( Samstag, 24. Januar 2009 )