In seinem Buch "Welt mit Zukunft" (2006, S. 115f.) verdeutlicht Prof.
Dr. Dr. Franz Josef Radermacher die vollkommen aus den Fugen geratenen
Wohlstands- und Machtdiskrepanzen auf der Welt an einem anschaulichen
Bild. Dabei lehnt sich die Darstellung bei Radermacher eng an die
Analyse von Peter Spiegel an ("Faktor Mensch. Ein humanes
Wirtschaftswunder ist möglich.", 2005, S. 101f.).
Nach diesem hier verkürzt wieder gegebenen Bild ist die Welt ein Dorf
mit 1000 Einwohnern. Eine Person ist superreich, ihr gehört ca. 30
Prozent des gesamten materiellen Wohlstands. Dem Superreichen gehören
außerdem ein Drittel der Fläche des Dorfes, und dieses Drittel ist von
den restlichen zwei Dritteln durch hohe unüberwindbare Mauern
abgeschottet.
200 Personen, darunter auch der Superreiche, besitzen 80 Prozent des
Reichtums. Diese 20 Prozent der Dorfbewohner sind wegen ihres
luxoriösen Lebensstils gleichzeitig für deutlich mehr als die Hälfte
des von der Dorfgemeinschaft emittierten Kohlendioxids verantwortlich.
400 Bewohner bilden den so genannten klassischen Mittelstand (im
globalen Sinne verstanden und nicht in Bezug auf Industrienationen),
sind dabei aber von dem Reichtum der Reichen komplett abgekoppelt. Sie
führen ein Leben in bescheidenen materiellen Verhältnissen allerdings
ohne akute existenzielle Not.
400 Dorfbewohner müssen mit maximal zwei US-$ pro Tag auskommen.
Diese Menschen leben in Armut mit ihren charakteristischen
Begleiterscheinungen, wie z.B. schlechter medizinischer Versorgung,
hoher Kindersterblichkeit, weit verbreitetem Analphabetentum etc.
200 Personen der Armen leben sogar nur von einem US-$ und führen einen täglichen Kampf ums Überleben, den viele verlieren.
So ist es also um das Zusammenleben der Menschen in Zeiten der Globalisierung bestellt.
Im Folgenden werden einige Fakten zusammengetragen, die den von Radermacher bzw. Spiegel angestelten bildhaften Vergleich mit empirischen Daten untermauern.
Der Grafikdienst der Welthungerhilfe stellt dazu dieses Schaubild zur Verfügung:
(Quelle: Welthungerhilfe)
Diese Daten werden durch das folgende Zitat unterstrichen:
"Weltweit leben mehr als eine Milliarde Menschen in extremer Armut. Der Anteil der ärmsten 20 Prozent der Weltbevölkerung am globalen Einkommen ist in den letzten 30 Jahren von 2,3 Prozent auf 1,4 Prozent gefallen. Im gleichen Zeitraum ist der Anteil der reichsten 20 Prozent der Weltbevölkerung an diesem Einkommen von 70 Prozent auf 85 Prozent gestiegen. Dabei ist die Kluft zwischen arm und reich nicht nur zwischen Nord und Süd und zwischen West und Ost, sondern auch innerhalb vieler Gesellschaften in allen Regionen größer geworden."
(Quelle: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)
Die nun folgende Grafik zeigt die weltweite Verteilung des Human Development Index (HDI) im Jahr 2007/ 2008. Zur Erläuterung der Messzahl: Der HDI ist eine Vergleichszahl, die aus den Parametern Lebenserwartung, Lese-/ Schreibfähgikeit, Bildungsstand und Lebensstandard gebildet wird. Ein HDI unter 0,5 wird als Indikator für niedrige bis sehr niedrige Entwicklung angesehen, ein HDI über 0,8 steht für hochentwickelte Länder.
Die Daten stammen aus dem United Nations Human Development Report 2007/ 2008.
Legende:
(Quelle: Wikipedia)
Die nächste Abbildung zeigt den prozentualen Anteil der Menschen, die von weniger als einem US-$ pro Tag leben. Die Ein-Dollar-Grenze wurde von der Weltbank als Armutsindikator eingeführt und ist heute als solcher weithin anerkannt. Danach sind alle Menschen extrem arm, die weniger als einen US-$ pro Tag zur Verfügung haben. Damit keine Missverständnisse, insbesondere hinsichtlich der Situation in Afrika, entstehen: Über die grau gefärbten Länder liegen keine Daten vor.
Die Daten stammen aus dem United Nations Human Development Report 2007/ 2008.
(Quelle: Wikipedia)
Die nachstehende Grafik zeigt den prozentualen Anteil der Bevölkerung, die unter der jeweiligen nationalen Armutsgrenze lebt. Datenbasis: 2008
(Quelle: Wikipedia)
Eine Liste mit der Lebenserwartung in den einzelnen Ländern findet man hier. Es ist kaum zu glauben, aber die Spannbreite beträgt mehr als 50 Jahre. Sie ertreckt sich von 83,51 Jahren (Andorra) bis hin zu 33,22 Jahren (Swasiland).
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