Brasilieninitiative Avicres e.V. Drucken

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Brasilieninitiative Avicres e.V. im Überblick

Land/ Region Brasilien
Arbeitsschwerpunkte: Hilfe für Straßenkinder
Gründung:
1992
Sitz:
Paderborn
Website:  Avicres

Hintergrund

"Brasilien ist kein armes Land, sondern ein ungerechtes und ungleiches Land mit vielen Armen. Das große Ausmaß der Armut ergibt sich an erster Stelle aus der immensen Ungleichheit bei der Einkommensverteilung und den Möglichkeiten der sozialen und wirtschaftlichen Eingliederung." (Feststellung des Wirtschaftsfor- schungsinstituts IPEA; zit. nach der Website der Brasilienhilfe Avicres e.V. )

Die weit verbreitete allgemeine Armut geht in Brasilien mit sozialen Missständen einher, zu denen auch die wachsende Zahl von Straßenkindern in den Ballungsräumen Brasiliens gehört.

Welch erschreckendes Ausmaß die Straßenkinderproblematik in Brasilien angenommen hat, verdeutlicht das folgende Zitat:

"Über sieben Millionen Strassenkinder, über drei Millionen arbeitende Kinder, über zwei Millionen Prostituierte unter 15 Jahren - das sind keine Sensationsberichte, sondern belegte Zahlen. Ein Drittel der Bevölkerung des Molochs São Paulo lebt in Favelas oder Einsturzgefährdeten Häusern, im mondänen Rio lebt etwa die Hälfte der Cariocas in über 400 Favelas  
(...)

Wie viele dieser Strassenkinder, die auch abfällig "Pivetes - Rotzbengel, Strassendieb, Taugenichts" genannt werden, zu den berüchtigten Kinderbanden gehören, weiss niemand genau. Täglich sind die Zeitungen vollen Einzelheiten über jene, die in die Kämpfe der Drogenringe geraten, die von Lynch-Kommandos aus gedungenen Killern und Ex-Polizisten ermordet werden. Sie werden willkürlich aufgegriffen und an einem verlassen Ort vergewaltigt, gefoltert und ermordet. Verdächtigt als Auftraggeber werden u.a. die um ihren Umsatz besorgten Besitzer grosser Läden und Restaurants. Die Kinderhorden verschreckten ihre Kunden, sagen sie."

(Quelle: http://www.brasilien.de/volk/bevoelkerung/kinder.asp

Brasilien wurde noch im Jahr 2005 von der UNO darauf hingewiesen, dass es keine nachprüfbaren Zahlen über die Kinder und Jugendlichen führt, die auf der Straße leben.

Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 1991 durch den Paderborner Religionspädagogen Johannes Niggemeier die brasilianische Organisation AVICRES ("Associaçao Vida no Crescimento e na Solidariedade", übersetzt: "Gemeinschaft für ein Leben in Wachstum und Solidarität") gegründet.

AVICRES ist heute eine in Brasilien auf allen politischen Ebenen anerkannte gemeinnützige Nicht-Regierungs-Organisation (NGO). Die Organisation hat ihren Verwaltungssitz in Nova Iguaçu, einer Vorstadt von Rio de Janeiro, und ist dort mit konkreten Projekten in den Armenvierteln aktiv. Ein Schwerpunkt der Aktivitäten von Avicres liegt in der Bekämpfung der Straßenkinderproblematik.

"Nova Iguaçu ... spiegelt die soziale Lage in Brasilien wie in einem Brennglas wider. Die verarmte Bevölkerung ist eine Quelle billiger Arbeitskräfte für die Industrie und die Dienstleistungen in Rio de Janeiro.

Die meisten Familien leben von weniger als zwei Mindestlöhnen. Es ist keine Seltenheit, dass ein Drittel davon für das Fahrgeld zum Arbeitsplatz verbraucht wird. Die Familien können mit diesen geringen Einkünften ihre Grundbedürfnisse nicht sichern; auch die Kinder sind in den alltäglichen Lebenskampf der Familien eingebunden.

Das Ergebnis solch großer sozialer Ungleichheit ist ein Klima enormer Gewalttätigkeit. Nach Aussagen internationaler Organisationen gehört der Großraum Nova Iguaçu zu den statistisch gewalttätigsten Gegenden der Welt. Das äußert sich unter anderem in ständigen Bedrohungen gegenüber den verschiedenen Gruppen der Marginalisierten in der Gesellschaft durch eine organisiert agierende Drogenmafia, durch Säuberungstrupps (Todesschwadronen) der Geschäftswelt und auch durch Teile der verängstigten "einfachen" Bevölkerung." (Quelle: Website der Brasilieninitiative Avicres e.V.)

Zur Unterstützung von AVICRES in Brasilien wurde im Jahr 1992 der deutsche Förderverein Brasilieninitiative Avicres e.V. mit Sitz in Paderborn gegründet. 

Zielsetzungen

Die Zielsetzungen bzw. Aufgaben der Brasilienhilfe Avicres e.V. werden auf der Website des Vereins wie folgt umrissen:
  • Unterstützung der Anliegen des gemeinnützigen Sozialwerks AVICRES in Nova Iguaçu,
  • Informations- und Öffentlichkeitsarbeit für das brasilianische Sozialwerk AVICRES in der Bundesrepublik Deutschland,
  • Einsatz für internationale Solidarität - insbesondere zum brasilianischen Volk - durch Vermittlung von Austauschbegegnungen und Partnerschaften zwischen Basisbewegungen in Brasilien und ähnlich ausgerichteten Gruppen in der Bundesrepublik Deutschland,
  • Akquisition moralischer und finanzieller Unterstützung für die Entwicklungsprojekte der brasilianischen Organisation AVICRES,
  • Durchführung von Veranstaltungen zur Bewusstseinsbildung im Bereich "Eine-Welt-Arbeit",
  • Knüpfen von Kontakten zwischen und zu ähnlichen in der "Eine-Welt-Arbeit" engagierten Gruppen und Vereinen.




 

Projekte

Die von dem deutschen Förderverein unterstützten Projekte von AVICRES sind vielschichtig und miteinander vernetzt. Im Mittelpunkt der Aktivitäten steht die Arbeit zugunsten von Straßenkindern in den Elendsvierteln von Nova Iguaçu.

Auf der Website der Brasilieninitiative Avicres e.V. findet sich eine umfassende Darstellung aller Projekte - im Folgenden werden deren wichtigste Aspekte skizziert:

Wohnhäuser

AVICRES betreibt vier Wohnhäuser für misshandelte und verfolgte Straßenkinder (s. Bild). In den Einrichtungen werden ca. 100 Kinder im Alter zwischen 3 und 18 Jahren - nach Altersgruppen getrennt - untergebracht und versorgt. 

Wohnhäuser 

Für die Kinder bieten die Wohnhäuser Schutz vor den Todesschwadronen, die Jagd auf Straßenkinder machen, und dem Teufelskreis aus Armut, Gewalt und Kriminalität. 

Parallel zu der Unterbringung in den Wohnheimen findet für die Kinder ein geregelter Schulbesuch in ortsansässigen Schulen statt.

Kindertagesstätten

Neben den Wohnhäusern betreibt AVICRES zwei Kindertagesstätten, in denen ca. 35 Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren betreut werden.

In jeder Kindertagesstätte arbeiten zwei Erzieherinnen, eine Köchin und eine Lehrerin, die für die Alphabetisierung der größeren Kinder zuständig ist.

Mittags bekommen die Kinder eine vollwertige warme Mahlzeit. Nach dem Mittagessen nutzen die Kinder den Platz und die Ruhe zum Schlafen, die sie zu Hause oft nicht haben. Beide Kindertagesstätten verfügen über einen Spielplatz und ein Kleinschwimmbad.

Gesundheitsstationen

AVICRES unterstützt in einem Stadtteil Nova Iguaçus eine Gesundheitsstation und eine Zahnarztpraxis. Die Gesundheitsstation dient primär der ärztlichen Minimalversorgung der Kinder der AVICRES-Wohnhäuser und Tagesstätten.

Darüber hinaus werden in der Station gegen einen geringen Geld- bzw. Sachspendenbeitrag auch Menschen außerhalb von AVICRES betreut, für die eine anderweitige ärztliche Versorgung oder Krankenhausversorgung nicht vorhanden oder unerschwinglich wäre.

Im Jahr 2008 wurde die Gesundheitsstation umgebaut und erweitert (s. Bild): 

Gesundheitsstation 

Landwirtschaft/ Landwirtschaftsschule

In der ländlichen Gegend von Nova Iguaçu betreibt AVICRES einen landwirtschaftlichen Kleinbetrieb. In ökologischer Landwirtschaft wird eine Vielzahl von Gemüse und Früchten, wie z.B. Salat, Kohl, Auberginen, Bohnen, Mais, Maniok und Bananen, angebaut (s. Bild). 

Landwirtschaft 

Die Erzeugnisse des Betriebs werden für die Kindertagesstätten und Wohnhäuser von AVICRES verwendet.

Außerdem betreibt AVICRES für ca. 30 Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren aus ärmsten Landarbeiterfamilien eine kleine Landwirtschaftsschule. Dies ist ein Versuch, über die Kinder etwas gegen die Landflucht der Familien zu tun und einen Beitrag zur Agrarreform zu leisten. 

Handwerksbetriebe

AVICRES betreibt verschiedene kleine Handwerksbetriebe, zu denen eine Tischlerei, eine Bäckerei und ein Kunsthandwerksbetrieb gehören (s. Bilder).

Aus- und Weiterbildung 

Aus- und Weiterbildung

Die Erzeugnisse dieser Betriebe decken zum Teil den Eigenbedarf von AVICRES und werden darüber hinaus außerhalb des AVICRES-Netzwerks verkauft.

Aus- und Weiterbildung

In Zusammenarbeit mit dem Kolpingwerk bietet AVICRES Aus- und Weiterbildungskurse für die Jugendlichen von AVICRES und Interessenten außerhalb des Netzwerks als Tischler, Friseur, Näherin und in Informatik an.

Die Kurse finden in den Räumen der ehemaligen Schule im Sitio das Crianças statt.

Gästehäuser

Ein Gästehaus in Ponte Negra (ca. 100 km von Nova Iguaçu, am Meer gelegen) dient als Erwerbsquelle, Ausbildungs- und Arbeitsplatz (s. Bild links). Es steht als Erholungsort für Kinder und Jugendliche der AVICRES und für andere Gäste zu Verfügung.

In direkter Nähe zu den AVICRES-Einrichtungen, im Stadtteil "Banco do arreia", gibt es seit 2006 ein kleines Gästehaus für max. 10 Personen (s. Bild rechts).

Gästehaus Gästehaus

 

 

 

 

 

 

 

Diese Pension dient zum einen den Mitarbeitern als Ort für gemeinsame Besprechungen und Begegnungen, zum anderen dient sie aber auch als Unterkunft für Personen, die die Einrichtungen der Avicres vor Ort kennen lernen möchten.


Unterstützung der Guarani-Indianer

Eine der letzten im Bundesstaat Rio de Janeiro lebenden Sippen des Ureinwohnervolkes der Guarani unterhält seit Jahren freundschaftliche Beziehungen zur brasilianischen AVICRES.

AVICRES hilft den Indianern bei dem Vertrieb ihrer kunsthandwerklichen Produkte (Körbe, Federschmuck, Ketten etc.), die für sie eine wichtige Einnahmequelle darstellen.

Außerdem konnte AVICRES die Ureinwohner in ihrem erfolgreichen Kampf um die offizielle Anerkennung ihres Siedlungsgebietes unterstützen.

Kurzzusammenfassung

  • deutscher Förderverein der brasilianischen NGO AVICRES mit langer Tradition (seit 1991 bzw. 1992)
  • Betreutes Wohnen für Straßenkinder in Nova Iguaçu (Brasilien)
  • Ausbildungsförderung und weitere Sozialprojekte für Straßenkinder in Nova Iguaçu

 

Wie können Sie helfen?




Weitere Informationen über die Brasilieninitiative Avicres e.V. finden Sie auf der Website des Vereins.  


Quellen:
http://www.avicres.de
Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 20. Januar 2009 )