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Freunde der Naturvölker e.V. im Überblick

Land/ Region: weltweit
Arbeitsschwerpunkte: Menschenrechte indigener Völker
Gründung:
1991
Sitz:
Lüneburg
Website:  Freunde der Naturvölker

Hintergrund und Zielsetzungen

Es gibt weltweit ca. 350 bis 400 Mio. Angehörige indigener Völker, von denen etwa 150 Mio. in traditionellen Stammesgesellschaften leben und damit zu den so genannten Stammesvölkern zählen. Diese Menschen haben für gewöhnlich eine enge kulturelle, emotionale und spirituelle Bindung an ihr Land (vgl. auch Wikipedia). Ihre Lebensweise unterscheidet sich stark von den Lebensgewohnheiten der restlichen Bevölkerung

Eine Liste indigener Völker findet sich hier.

Da viele Stammesvölker in ressourcenreichen Gebieten leben, sind Konflikte - vor allem um Landnutzungsrechte - trotz völkerrechtlich verbriefter Landrechte ein generelles Problem. Damit verbunden sind häufig rassistische Anfeindungen und Vertreibungen.

Ein besonderes Problem besteht darin, dass vielen Stammesvölkern ein fortschrittlicheres Leben nach dem Verständnis der dominierenden Gesellschaft aufgezwungen wird. Aufgezwungener "Fortschritt" bedeutet für diese Menschen jedoch häufig das Abgleiten in Armut, Krankheit und Sucht. Am Ende steht häufig ein unwürdiger Tod.

Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 1991 aus ehemaligen aktiven Mitgliedern der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) die als besonders gemeinnützig registrierte Menschenrechtsorganisation Freunde der Naturvölker e.V. (FdN) gegründet. FdN ist heute die deutsche Sektion des internationalen Netzwerkes "friends of Peoples close to Nature" (fPcN), dem mittlerweile insgesamt 8 internationale Organisationen beigetreten sind.

Die Arbeit der Organisation reicht von Publikationen, Kampagnen, direkter Überlebenshilfe, Flüchtlingshilfe und Landkauf für noch isoliert lebende Völker bis hin zum Aufbau von Stammesschulen sowie Schulförderung. Für FdN arbeiten zahlreiche Wissenschaftler, Autoren, Journalisten und Aktivisten, die die Arbeit von FdN tragen. Mit ihnen vereinen sich fast 20 Jahre Erfahrung nicht nur am Schreibtisch, sondern auch im Feld bei den Völkern vor Ort.

FdN unterstützt insbesondere die Kleinstvölker (auch Altvölker genannt) bei ihrem Kampf ums kulturelle Überleben wie Pygmäen, San (Buschmänner), Papua oder Negritos u.a. Dabei sieht sich FdN als Fürsprecher und Sprachrohr dieser Völker.

Die von FdN unterstützten Völker sollen in ihrem Bestreben unterstützt werden selbst über ihre Zukunft und die Bewahrung ihrer Kultur zu entscheiden (Free, Prior and Informed Consent).

Diesem Ansatz der freien Selbstbestimmung entsprechend wird FdN erst dann aktiv, wenn sich jene Völker mit der Bitte um Beistand an die Organisation wenden und diese damit explizit autorisiert ist.

Das bedeutet auch, dass sich FdN gegen jede Form von Außen aufgesetzter und typisch westlich geprägter Entwicklungsideologie wendet. 

Zielsetzungen

Freunde der Naturvölker e.V. möchte Naturvölkern mit Rat und Tat gegen lebensraumzerstörende Aktivitäten der Großindustrie, nationalstaatlicher Regierungen und deren Programme zur Vertreibung der Indigenen zur Seite stehen.

Damit soll gleichzeitig ein Beitrag zur Wahrung der kulturellen Vielfalt geleistet werden, wie es auch  in der von der UNESCO verabschiedeten Magna Charta der internationalen Kulturpolitik verankert ist.

Projekte

FdN führt neben Benefizveranstaltungen und Kampagnen auch zahlreiche konkrete Hilfsprojekte zur Unterstützung bedrohter Naturvölker in ihrem Kampf um Selbstbestimmung und Unabhängigkeit durch.

Einige dieser Projekte werden im Folgenden nach Regionen gegliedert exemplarisch skizziert. Ausführliche Informationen über alle Hilfsmaßnahmen finden sich auf der Website der Freunde der Naturvölker e.V.

Die nachstehende Karte zeigt zunächst, in welchen Regionen FdN insgesamt aktiv ist (grüne Bereiche).

Karte FdN

(Quelle: Freunde der Naturvölker e.V.)

Südamerika

Ein Schwerpunkt ist die dringende Lebensraumsicherung für die letzten Waldindianer der Ayoreo in Paraguay.

Das Landkaufprojekt für noch unkontaktierte Indianer im Chaco von Paraguay erfolgt durch die Organisationen Freunde der Naturvölker e.V. und des Vereins zur Unterstützung indianischer Landforderungen im paraguayischen Chaco e.V.

In San Antonio (ehemalige Estancia) ist die Zahl der gesicherten Parzellen, einschließlich der geschenkten, auf nun mehr 94 gestiegen. Die 94 Parzellen (à 2 km²) stellen etwa 2/3 des ca. 300 km² großen Gebietes dar. Sie liegen in der südwestlichen Ecke der 5.000 km²-Landforderung der Totobiegosode (Verwaltungsgebiet Alto Paraguay).

Ein weiterer wesentlicher Arbeitsbereich ist die Zusammenarbeit mit der Iniciativa Amotocodie (IAM), die sich für den Schutz aller isolierten Ayoreo-Gruppen von Paraguay einsetzt. Das Gebiet dieser Gruppen umfasst den gesamten Nord Chaco von Paraguay (Departamento: Boqueron und Alto Paraguay) und erstreckt sich bis Bolivien hinein.

Die IAM hat deshalb in Amotocodie eine Fläche von 37,40 qkm erworben mit dem Namen Naturreservat Erbe Ayoreo "Puniè Paesoi". Durch Verfügung der Staatsbehörden mit Nr. 11761 vom 18.01.2008 wurde das gekaufte Landstück zum Schutz isolierter Ayoreo-Gruppen als geschütztes Wildreservat bestätigt.

Afrika

Tansania

FdN arbeitet seit mehr als zwei Jahrzehnten mit den Hadzabe zusammen, den letzten Buschmännern Ostafrikas (s. Bilder).

Hadzabe

Hadzabe

1996 gelang es mit Unterstützung von FdN erstmals, dass ein Vertreter der Hadzabe in Genf bei der UN für Indigenenfragen die traditionelle Existenz seines Volkes verteidigte.

Im Juni/Juli 2007 startete FdN eine erneute Kampagne für die Hadzabe gegen den drohenden Verlust eines großen Teils ihres Stammeslandes durch ein ausländisches Safari Unternehmen. Die Kampagne hatte im November 2007 zum Erfolg geführt.

Kongo

OSAPY, eine der wichtigsten Pygmäenorganisationen in der DR Kongo, ist dem weltweiten fPcN (friends of People close to Nature) Netzwerk für die Bewahrung der kulturellen Vielfalt beigetreten. Als eine der ersten Maßnahmen hilft FdN OSAPY beim Aufbau einer umfangreichen Internetpräsenz und finanziert diese.

Diese Maßnahme soll den Pygmäen ermöglichen ihre Themen erstmals selbst im Internet zu publizieren und somit Öffentlichkeit für ihre Interessen zu schaffen. Langfristig sind weitere Maßnahmen für den Erhalt der Pygmäen Kultur geplant.

Asien

Seit den 80er Jahren unterstützt FdN die Aeta, die beim Pinatuboausbruch 1991 den größten Teil ihres Stammeslandes verloren. Momentan unterstützt FdN die Aeta mit Wasserbüffeln, um sie von der selbstzerstörerischen Kohlerei weg zu bewegen (s. Bild).

Aeta

Des Weiteren befindet sich eine ökologische Farm für die Aeta seit mehreren Jahren im Aufbau.

Außerdem hat FdN für die Batak auf Palawan und die Agta (s. Bild) auf Luzon Land erworben. In Dipuntian auf Luzon hat FdN für die dort lebenden Agta eine Stammesschule errichtet.

Agta

FdN unterstützt seit Anfang der 90er Jahre das Volk in West Papua (s. Bilder) gegen die indonesischen Besatzer.

Papua

Papua

Ein Highlight der FdN-Kampagnenarbeit war die Möglichkeit den selbstproduzierten Film "West Papua - The secret war in Asia" im September 2007 auf der Biennale in Venedig präsentieren zu können.

Einer der größten Erfolge der FdN besteht darin, dass mit Hilfe der Organisation die Gründung der Free West Papua Kampagne UK durch den Stammesführer der Koteka Bewegung Benny Wenda in England erfolgte. Nach dem Erstkontakt mit Wenda 1999 im Hochland von West Papua und seiner Flucht aus einem indonesischem Gefängnis 2003 gelang es FdN für Wenda politisches Asyl in England durchzusetzen.

2005 sprach Benny Wenda erstmals mit Hilfe von FdN vor der UN Menschenrechtskommission in Genf und vertrat die Belange seines eigenen Volkes.

Aktiv unterstützt FdN die Papua mit Medikamenten, Lebensmitteln und Kommunikationsequipment, besonders für die Flüchtlingslager in Papua-Neuguinea.

Hilfsaktionen für die Flüchtlinge in Papua-Neuguinea fanden zuletzt Anfang 2007 und Mitte 2008 statt. Dazu war jeweils ein Team der Freunde der Naturvölker vor Ort gewesen. 

Kurzzusammenfassung

  • Menschenrechtsorganisation
  • Lobbyarbeit, Kampagnen und konkrete Projektarbeit zur Unterstützung indigener Völker

 

Wie können Sie helfen?

Zu den folgenden Unterstützungsmöglichkeiten finden sich auf der Website von Freunde der Naturvölker e.V. detaillierte Informationen:

  • Mitgliedschaft im Verein
  • Geldspenden
  • Praktika


 

Weitere Informationen über Freunde der Naturvölker e.V. finden Sie auf der Website des Vereins.  


Quellen:
http://www.naturvoelker.org
Selbstportrait des Vereins
Letzte Aktualisierung ( Montag, 8. Dezember 2008 )