Hintergrund
Eng verbunden mit der weit verbreiteten allgemeinen und häufig extremen Armut ist der Mangel an sauberem Wasser eines der Hauptprobleme in Entwicklungsländern.
UNICEF stellte dazu anlässlich des Weltwassertages am 22.03.2007 fest:
"Mehr als eine Milliarde Menschen haben zu wenig oder kein
sauberes Trinkwasser zur Verfügung. Immer mehr Regionen der Erde leiden
unter chronischer Wasserknappheit. Der Wassermangel trifft vor allem
die Ärmsten. In den Entwicklungsländern sterben jedes Jahr 1,5
Millionen Kinder unter fünf Jahren an Durchfall, weil sie verschmutztes
Wasser getrunken haben."
Nach Berechnungen von UNICEF haben insgesamt 425 Millionen Kinder in
Entwicklungsländern keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Fast eine Milliarde Kinder leben ohne
sanitäre Einrichtungen unter unhygienischen Bedingungen, die ihre
Gesundheit stark gefährden. (Quelle: UNICEF)
Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung
geht sogar davon aus, dass zurzeit etwa 600 Millionen Menschen in 25 Ländern leben, in denen es an
Wasser mangelt oder Wasserknappheit herrscht. In Abhängigkeit von der demographischen Entwicklung werden es im Jahr 2025 zwischen 2,7 und
3,1 Milliarden Menschen in 39 bis 41 Ländern sein. (Quelle: DSW)
Noch erschreckender sind die Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wonach 1,1 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben:
"Around 1.1 billion people globally do not have access to improved water
supply sources whereas 2.4 billion people do not have access to any
type of improved sanitation facility. About 2 million people die every
year due to diarrhoeal diseases, most of them are children less than 5
years of age."
Der Grafikdienst der Welthungerhilfe veranschaulicht diese Schätzung wie folgt:
(Quelle: Welthungerhilfe)
Vor dem Hintergrund dieser erschreckenden Faktenlage wurde im Jahr 2005 die Trinkwasserinitiative Viva con Agua de Sankt Pauli ("Leben mit Wasser von Sankt Pauli") gegründet.
Initiator war Benjamin Adrion, der als Mittelfeldspieler des Hamburger Fußballvereins FC St. Pauli an einem Trainingslager in Kuba teilnahm und die prekären Lebensumstände der Bevölkerung hautnah miterlebte.
Viva con Agua ist heute ein gemeinnütziger eingetragener Verein und wird vom FC St. Pauli unterstützt. Gleichzeitig ist Viva con Agua Partner der Welthungerhilfe für Trinkwasserprojekte.
Der Verein führt zahlreiche Benefizveranstaltungen durch - häufig mit prominenter Unterstützung und Beteiligung. Aktuell (Frühjahr 2008) findet die Aktion "Wasser!Marsch 2008" statt.
Zielsetzungen
Viva con Agua de Sankt Pauli e.V. möchte einen Beitrag dazu leisten, dass sich die Trinkwasserversorgung in Entwicklungsländern verbessert.
Projekte
Der Verein hat bereits einige Trinkwasserprojekte in verschiedenen Ländern erfolgreich abgeschlossen. Andere Projekte laufen noch.
Die Karte zeigt, in welchen Ländern Projekte statt fanden bzw. noch laufen:
Im Folgenden werden alle Projekte in chronologischer Reihenfolge skizziert. Ausführliche Informationen finden sich auf der Website von Viva con Agua.
Wasserspender für Kuba (abgeschlossen)
Mit Unterstützung von Viva con Agua de Sankt Pauli und in Kooperation mit der Welthungerhilfe wurden 153 Kindergärten und vier Sportschulen in Havanna mit Wasserspendern
ausgestattet
Zwar ist die Trinkwasserversorgung in Kuba offiziellen Angaben zu Folge gut, jedoch bedeutet
das nicht, dass - wie in Deutschland - zu jeder Zeit Wasser in
trinkbarer Qualität zur Verfügung steht.
"Auf Kuba ist das Trinkwassernetz in Zonen aufgeteilt. Diese werden
nacheinander nach einem Plan bedient, so dass die Menschen in der Regel
zumindest 2 Stunden am Tag fließendes Wasser haben. Dies speichern sie
dann in Behältern, um die Zeit ohne Wasser aus der Leitung überbrücken
zu können. Es kann auch mal vorkommen, dass es tagelang kein
Leitungswasser gibt. Dann muss das Trinkwasser per Zug oder Tankwagen
herangeschafft werden. Auch die Qualität stimmt nicht immer, wenn, vor
allem in der Regenzeit, die Filter der Aufbereitungsanlagen nicht
richtig arbeiten. Für neue Filter fehlt häufig das Geld, da diese
importiert werden müssen. So begnügt man sich damit, das Wasser zu
chloren, so dass es zumindest bakteriologisch einwandfrei ist." (Quelle: Interview mit Richard Haep, Projektverantwortlicher der Welthungerhilfe)
Das Kooperationsprojekt "Wasserspender" hat einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass die Kindergartenkinder seltener an Infektionen, Fieber und Magen-Darm-Beschwerden erkrankt sind.
Tiefbohrbrunnen für Äthiopien (abgeschlossen)
Sodo ist ein kleines Dorf in Äthiopien, ca. 200 km von der Hauptstadt Addis Abeba entfernt. Die Bevölkerung lebt ausschließlich von der Landwirtschaft, wobei
hauptsächlich das ertragarme Teff angebaut wird. Teffmehl ist die
Grundlage für das äthiopische Nationalgericht Injera.
Zu Beginn des Projekts bezogen die Bewohner ihr Wasser aus einem entfernt
gelegenen Fluss und Frauen und junge Mädchen mussten täglich einen vierstündigen Fußmarsch absolvieren, um Krüge und
Plastikbehälter mit Flusswasser zu holen.
Wegen der starken Verschmutzung des Wassers hätte dieses abgekocht werden müssen, was jedoch aufgrund der Menge und des Mangels an brennfähigem Holz kaum
machbar gewesen wäre.
Gemeinsam mit der Welthungerhilfe und einer äthiopischer NGO namens CDSE (Community
Development Service Ethiopia) realisierte Viva con Agua e.V. den Bau von fünf
Tiefbohrbrunnen mit einer Bohrtiefe von bis zu 80 Metern.
Die beiden folgenden Bilder zeigen die neue und sichere Wassergewinnung aus einem der fünf Tiefbohrbrunnen und die vorherige Schöpfung von unsauberem Wasser aus dem Fluss:
Durch das Projekt konnte eine nachhaltige Trinkwasserversorgung der ortsansässigen
Bevölkerung gewährleistet werden. Kein
Dorfbewohner lebt nun weiter als 1,5 km entfernt von einem Wasserversorgungspunkt.
Brunnen für den Benin (finanziert, in Bau)
Durch den Erlös der Viva con Agua Wassertage 2007 konnte ein Trinkwasserprojekt in dem beninschen Dorf Manigri vollständig finanziert werden. Gegenstand des Projekts war der Bau von fünf Schachtbrunnen mit Seilwinden (s. Bild), um die Versorgung mit Trinkwasser in Manigri zu optimieren.
Bislang wurde das Wasser aus Tümpeln, Wasserlöchern und kleinen
Bächen geschöpft. Damit verbunden waren hygienische Probleme, die zu verschiedenen Erkrankungen führten
Die Dorfbevölkerung leistet einen eigenen finanziellen Beitrag zum
Brunnenbau. Um die Brunnen herum werden durch gemeinsame Aufforstung
Schutzzonen errichtet und Einkommen schaffende Maßnahmen, wie zum
Beispiel Gemüseanbau, durchgeführt.
Quelleinfassungen in Ruanda (abgeschlossen)
Ziel dieses Projekts ist die Befestigung von 27 Trinkwasserquellen im Base-Kiryango-Tal in Ruanda. Die Einfassung der Quellen ist die kostengünstigste Möglichkeit die Verunreinigung des Quellwassers durch Erde, Sand und Staub und Verschmutzungen mit Oberflächenwasser - insbesondere in Regenzeiten - zu vermeiden.
Ein wesentlicher Grund für diese Verschmutzungen ist die Bodenerosion. Die damit verbundene Problematik wird auf der Website von Viva con Agua de Sankt Pauli wie folgt dargestellt:
"Bodenerosion ist ein großes ökologisches Problem. Auslösende
Faktoren zusätzlich zur Abholzung und Überweidung des Landes sind: die
starken Hangneigungen in dem hügeligen Gelände, der Wegfall der früher
üblichen Grasbrache sowie die tiefe Bodenbearbeitung mit der Hacke.
Einjährige Kulturen verstärken das Erosionsproblem, da zur Zeit der
Aussaat und nach der Ernte der Boden ohne schützende Pflanzendecke den
heftigen Niederschlägen während der Regenzeiten ausgesetzt ist.
Im Projektgebiet ist die Verbesserung der Trinkwasserversorgung ein
elementares Ziel, denn die ortsansässige Bevölkerung leidet unter einer
hohen Zahl an wasserbedingten Erkrankungen, die häufig auch tödlich
enden. Die Sterblichkeit der unter 5-jährigen Kinder beträgt ca. 20%.
Das Problem wird dadurch verstärkt, dass die vorherrschende
Lebensform der Streusiedlungen und die hügelige Geländestruktur die
Verlegung von Wasserleitungen technisch aufwendig und damit finanziell
nicht realisierbar gestaltet."
Die beiden Bilder zeigen eine ungesicherte Quelle im "Urzustand" und eine gesicherte Quelle:

Durch das Projekt kann gewährleistet werden, dass im Projektgebiet das ganze Jahr über sicheres Quelltrinkwasser für die verstreut wohnende Bevölkerung zur Verfügung steht.
Brunnen für Madagaskar (finanziert, in Bau)
In dem Projektort Anosikely auf Madagaskar ist die Kindersterblichkeit sehr hoch. 110 von 1.000 Kindern erleben ihren fünften Geburtstag
nicht. Diese erschreckende Zahl resultiert vor allem aus mangelnden
hygienischen Verhältnissen sowie einem ungenügenden Gesundheitssystem.
Ziel des Projekts ist es den Bewohnern von Anosikely Zugang zu sauberem Trinkwasser zu gewähren. Zu diesem Zweck sollen neun Brunnen in Kooperation mit der Welthungerhilfe gebaut werden.
Auf dem Bild sieht man einen fertigen Brunnen in Anosikely:
Sauberes Wasser für Nicaragua (Finanzierung läuft)
Dieses Projekt sieht vor, dass 35 Brunnen in der Großgemeinde Auhya Pihni gebaut werden.
Im Jahr 2006 entstanden die ersten neuen Brunnen, die helfen, durch
verseuchtes Wasser bedingte Krankheiten zu vermeiden. Ohne die Brunnen
müssten die Menschen vor Ort Wasser mit Plastikkanistern aus einem Bach
oder aus Pfützen schöpfen.
Weitere Projektinformationen finden sich auf der Website von Viva con Agua. Hier ein kleiner Auszug:
"Durch den Hurrikan „Felix“ im September 2007 wurden bereits gebaute
Brunnen (und Waschplätze) zerstört und müssen wieder aufgebaut werden.
Dabei und mit dem Bau neuer Brunnen unterstützt Viva con Agua seinen
Kooperationspartner, die Welthungerhilfe.
Insgesamt sind 35 Brunnen mit einer Tiefe von ca. 9 Metern
geplant, dazu kommt jeweils ein öffentlicher Waschplatz pro
Wasserversorgungsstelle. Darüber hinaus sind Ausbildung in Hygiene und
die Bildung von Wasserkomitees zur Instandhaltung der Brunnen
unerlässlich, um für nachhaltige Entwicklung zu sorgen."
Kurzzusammenfassung
-
im Jahr 2005 ins Leben gerufene Initiative zur Verbesserung der Trinkwasserversorgung in Entwicklungsländern
- verschiedene Trinkwasserprojekte in Afrika und Lateinamerika, bald auch in Asien
- Projektpartner der Welthungerhilfe in Fragen der Trinkwasserversorgung
- Partnerorganisation des Fußballvereins FC St. Pauli
Wie können Sie helfen?
Weitere Informationen über Viva con Agua de Sankt Pauli e.V. finden Sie auf der Website des Vereins.
Quellen:
http://www.vivaconagua.org
|