Hintergrund
Am 26.04.1986 ereignete sich im Kernkraftwerk Tschernobyl in der Nähe der Stadt Prypjat (Ukraine, damals UdSSR) eine Nuklearkatastrophe als Folge einer Kernschmelze und Explosion in einem Kernreaktor. Das Unglück war das zweitschwerste seiner Art und gleichzeitig eine der größten Umweltkatastrophen aller Zeiten.
Große Mengen an radioaktivem Material wurden in die Luft geschleudert
und verteilten sich hauptsächlich über die Region nordöstlich von
Tschernobyl, aber auch über viele Regionen Europas.
Der Unfall führte
bei einer nicht genau bekannten Zahl von Menschen zum Tod. Auch bei
anderen Erkrankungen wird die Strahlung als mögliche Ursache angesehen.
Dazu kommen psychische, soziale, ökologische und ökonomische Schäden.
Über die zu erwartenden Langzeitfolgen besteht seit Jahren ein Streit
auch unter Wissenschaftlern (Quelle: Wikipedia).
Die folgende Karte zeigt, welche Regionen in welchem Ausmaß kontaminiert wurden:

(Quelle: Wikipedia)
Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 1992 der gemeinnützige Verein "Heim-statt Tschernobyl e.V." gegründet. Jedes Jahr veranstaltet der Verein mit jeweils 30 Personen drei dreiwöchige Sommer-Workcamps in Weißrussland und baut dort gemeinsam mit Familien aus dem Tschernobylgebiet im nichtverstrahlten Norden von Weißrussland Umsiedlungs-Wohnhäuser und Gemeinschaftseinrichtungen im Selbstbauverfahren.
Als Kontrapunkt zu der der Tschernobyl-Katastrophe zu Grunde liegenden Kernenergiegewinnung werden sämtliche Bauten in ökologischer Bauweise errichtet.
Inzwischen sind zwei Siedlungen mit insgesamt 50 ökologischen Wohnhäusern und weiteren Einrichtungen (Arzthaus, Werkstätten, Kirchen etc.) entstanden - die Siedlung Drushnaja ("das freundschaftliche Dorf") und das Dorf Stari-Lepel am Lepelsee (in der Nähe von Witebsk, ca. 200 km entfernt von Minsk).
Der Verein hat sich mittlerweile zu einer bundesweiten Organisation mit über 1500 freiwilligen Helfen und Unterstützern entwickelt und erhielt im Jahr 2003 als besondere Auszeichnung für den geleisteten Beitrag zur internationalen Verständigung den von der Wochenzeitung "DIE ZEIT" gestifteten "Marion-Dönhoff-Förderpreis".
Vor Ort arbeitet Heim-statt Tschernobyl e.V. mit zwei weißrussischen Partnerorganisationen zusammen: "IggV ÖkoDom" und "ÖkoDom-Stroj". Auf diese Weise ist ein regionales Organisations-Bündnis entstanden, bei dem alle Aktivitäten eng mit örtlichen und regionalen Behörden und Institutionen abgestimmt sind.
Zielsetzungen
Heim-statt Tschernobyl e.V. verfolgt folgende Ziele:
- Persönliche Hilfe für Menschen der Tschernobyl-Katastrophe durch praktische, nachhaltige Einsätze in Weißrussland, vor allem durch Umsiedlung
- Strukturhilfen durch "Leuchtturmprojekte" in Weißrussland als konstruktive Zeichen gegen Tschernobyl und gegen die atomare Energienutzung überhaupt
- Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland und Weißrussland
- Aktivierung und Beteiligung vieler betroffener und neugieriger Menschen mit dem Ziel einer gemeinsamen Zukunftsgestaltung und der Völkerverständigung
Projekte
Eng verbunden mit dem ökologischen Umsiedlungsbau haben sich weitergehende Hilfsmaßnahmen entwickelt. Alle diese Maßnahmen weisen einen Bezug zur Tschernobyl-Katastrophe auf und sollen z.B. Alternativen der Energiegewinnung und -nutzung aufzeigen.
Diese Projekte - Sozialeinsätze sowie Strukturhilfemaßnahmen - können ausführlich auf der Website von Heim-statt Tschernobyl e.V. nachgelesen werden und werden hier nur skizziert.
Ambulanzzentrum
Am 24.10.2006 wurde in Sanarotsch/ Drushnaja ein Ambulanzzentrum für die ortsnahe medizinische Versorgung eingeweiht (s. Bild).
Das Ambulanzzentrum ist mit einer besonderen Bautechnik entstanden: Eine Konstruktion in Holztafelbauweise mit
besonderer Schilfplattenisolierung erfüllt Niedrig-Energie-Standards.
Gleichzeitig sollen Sonnenkollektoren, Fotovoltaik und eine
Holz-Heizung die Strom- und Wärmeversorgung auch für
Nachbargebäude wie Schule, Kindergarten und Dorfsovjet mit abdecken.
Windkraftwerk
Als sichtbares Zeichen gegen Tschernobyl wurden in den Jahren 2000 bis 2002 zwei Windräder oberhalb des Narotsch-Sees nahe der Siedlung Drushnaja errichtet (s. Bild).
Im Jahresdurchschnitt produzieren die beiden Windräder knapp 1.3
Millionen Kilowattstunden, das entspricht einem Strombedarf von 600 bis
700 weißrussischen Haushalten.
Der erzeugte Strom wird zum Verkauf in
das öffentliche Netz eingespeist. Mit dem zweckgebundenen Erlös
finanziert die weißrussische Partnerorganisation ÖkoDom-Stroj als
Betreiberin der Anlagen weitere Projekte für strahlengeschädigte
Familien.
Schilfplattenproduktion
Als weiteres Beispiel für Energieeinsparung entstand im Jahr 2003 eine Produktionsanlage zur Herstellung von Isoliermaterialien aus dem reichen Schilfvorkommen örtlicher Seen.
Isolierplatten aus dieser Herstellung werden seither zur Wärmedämmung beim Umsiedlungsbau eingesetzt, aber auch auf dem Markt in Weißrussland und Deutschland angeboten.
Haus der Begegnung
Als nächstes Projekt ist die Errichtung eines "Hauses der Begegnung" im Umsiedlungsdorf Stari-Lepel geplant, gleichzeitig als Modell eines weiteren Niedrig-Energiehauses mit einer alternativen Heizung durch Holzpellet.
Außerdem soll ein Energie-Beratungs-System aufgebaut werden, um vor Ort das technische know-how zu verbessern. Die Bevölkerung soll durch Schulung zu einer effizienteren Energie-Nutzung motiviert und angeleitet werden.
Kurzzusammenfassung
- Hilfsorganisation mit langer Tradition (seit 1992)
- Umsiedlungsbau und Strukturhilfe in Weißrussland
- zwei Neusiedlungen im nicht-verstrahlten Norden Weißrusslands
- Zusammenarbeit mit vor Ort tätigen weißrussischen Partnerorganisationen
Wie können Sie helfen?
Weitere Informationen über Heim-statt Tschernobyl e.V. finden Sie auf der Website des Vereins.
Quellen:
http://www.heimstatt-tschernobyl.com
Informationsmaterial von Heim-statt Tschernobyl e.V.
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