Hintergrund
Paraguay ist kein Entwicklungsland im engeren Sinn und wird im Human Development Index Ranking 2007/2008 an 95. Stelle als Land mit "mittlerem Entwicklungsstand" geführt (Quelle: UNDP). Dennoch sind die Lebensbedingungen vieler Menschen nach wie vor schwierig. Das Auswärtige Amt fasst die Lage wie folgt zusammen:
"Knapp die Hälfte der Paraguayer lebt unter der internationalen
Armutsgrenze, ein Viertel sogar in "absoluter Armut", welche in den
ländlichen Gebieten durch Subsistenzwirtschaft und Solidarität
teilweise aufgefangen wird." (Quelle: Auswärtiges Amt)
Vor diesem Hintergrund engagiert sich der gemeinnützige deutsche Verein
Pro Paraguay Initiative e.V. für eine Verbesserung der
Lebensverhältnisse der Menschen in Paraguay.
Die nebenstehende Karte zeigt, in welchen Gegenden (blau markiert) Paraguays die Pro Paraguay Initiative aktiv ist (Quelle: Website des Vereins)
Der Verein wurde im Jahr 1992 gegründet und bekam mit einem Anteil von lediglich 6,5% der Verwaltungs- und Werbungsausgaben am Gesamtetat zum 12. Mal in Folge das DZI-Spendensiegel.
Ein wichtiger Aspekt der entwicklungspolitischen Arbeit der Pro Paraguay Initiative ist die Kooperation mit externen Partnern.
So z.B. beteiligen sich das Bundesministerium für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), das Land NRW oder auch das
Kindermissionswerk Aachen an der Finanzierung einiger Hilfsprojekte des Vereins.
Vor Ort wird der Verein durch die Deutsche Botschaft in Asunción unterstützt, etwa bei Formalitäten mit
Behörden, oder indem sie Hilfslieferungen aus dem Zoll "befreit". Pro Paraguay ist Mitglied in der "Landesarbeitsgemeinschaft der Dritte Welt-Gruppen
NRW" und beim "Verband entwicklungspolitischer
Nichtregierungsorganisationen" (VENRO).
Zielsetzungen
Im Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe engagiert sich die Pro Paraguay Initiative unter entwicklungspolitischen Leitlinien in Paraguay und leistet so einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen von dort lebenden Menschen.
Unter dem Leitgedanken der Solidarität mit der so genannten "Dritten Welt" sollen gleichzeitig möglichst viele Menschen in Deutschland für die Situation in Paraguay sensibilisiert und zu konkreter Hilfeleistung motiviert werden.
Wie auf der Website der Pro Paraguay Initiative nachzulesen ist, geschieht dies durch eine Vielzahl von Aktivitäten: Öffentliche
Mitgliederversammlungen, Dia- und Filmvorträge, Ausstellungen,
Benefizkonzerte, Schul- und Gemeindeveranstaltungen, Pressearbeit und
auch durch konkrete Beteiligung von Bürgern z.B. bei der Versendung von
Hilfscontainern nach Paraguay.
Es finden auch entwicklungspolitische Informations- und Bildungsreisen nach Paraguay statt, ebenso wie Besuche paraguayanischer Partner in Deutschland.
Projekte
Im Zentrum der Arbeit der Pro Paraguay Initiative stehen konkrete Hilfsprojekte vor Ort. Diesen Projekten ist gemeinsam, dass sie langfristig und systematisch angelegt sind und in ausgewählten und
überschaubaren Bereichen kleine, aber erfolgreiche Entwicklungsschritte
ermöglichen sollen. Auf der Website des Vereins heißt es weiter:
"Eigeninitiative und Eigenleistung der Betroffenen
(Selbsthilfe) sind wichtige Kriterien. Wir planen die Projekte mit
unseren Partnern vor Ort, die sie dann mit den betroffenen Menschen
durchführen. Die Vorhaben richten sich nach den Bedürfnissen und
Bedingungen dieser Menschen und respektieren ihre ökonomische, soziale
und kulturelle Identität." (Quelle: hier)
Im Folgenden werden diese Projekte skizziert. Ausführlichere Informationen finden sich auf der Website des Vereins.
Armutsbekämpfung
Die Pro Paraguay Initiative leistet einen Beitrag zur Armutsbekämpfung durch ländliche Entwicklung.
Einige Hundert Campesino-, also Kleinbauernfamilien haben in Juan de Mena Land errungen und Kolonien gegründet. Die Pro Paraguay Initiative hat ihren Kampf um eigenen Grund und Boden solidarisch begleitet,
hat Hilfen beim Schulbau gewährt, Programme zur Stärkung der
Frauenrolle gefördert, Gesundheitskurse finanziert, Medikamente und
medizinisches Gerät geschickt und Gesundheitsstationen gebaut. Darüber hinaus wurden mehrere Container mit Hilfsmaterial versandt.
Zur
Zeit hilft der Verein beim Aufbau einer Vermarktungskooperative für
ökologisch erzeugte landwirtschaftliche Produkte. Campesinokooperativen werden bei ihren Versuchen unterstützt, durch ein angepasstes,
alternatives Landwirtschaftsmodell neue, nachhaltige
(Über-)Lebensformen auf dem Land zu entwickeln. Zudem wird die
Ausbildung jugendlicher Campesinos gefördert.
Momentan ist ein Projekt zum Bau einer kleinen Zuckerfabrik in Arbeit, in der ökologischer (organischer) Rohrzucker produziert werden soll zur Einkommenssteigerung der verarmten Kleinbauerfamilien.
Basisgesundheitsversorgung
In Asunción beliefert die Pro Paraguay Initiative regelmäßig die Kinderstation des
Armenkrankenhauses "Barrio Obrero" mit Medikamenten des
Medikamentenhilfswerkes Action Medeor.
Ebenso werden die
Gesundheitsstationen in Juan de Mena und ein ländlicher
Gesundheitsdienst in Pilar versorgt. Neben dem Versenden von
Medikamenten hilft der Verein beim Bau von Krankenstationen und
Brunnen, führt mit den Partnern Gesundheits- und Ernährungskurse durch
- auch unter Einbeziehung traditioneller alternativer Heilmethoden.
In Pilar wurde eine Klinik fertig gestellt, die den Ärmsten
der Bevölkerung Zugang zu einer medizinischen Basisversorgung
gewährt. Die Finanzierung übernahm das Land NRW zusammen mit der Action
Medeor, die Pro Paraguay Initiative vermittelte und begleitet dieses Projekt und hilft
beim Aufbau eines planvollen Gesundheitsdienstes auf dem Land, der von
der Klinik aus organisiert wird.
Die folgenden Bilder geben einen Eindruck von dem Gesundheitsdienst auf dem Land bei Pilar (links) und zeigen die Apotheke der "Clinica Pilar" (rechts).
Ausbildung für Kinder und Jugendliche
Die Pro Paraguay Initiative fördert in Juan de Mena den Aufbau und Betrieb einer Ökologischen
Landwirtschaftsschule für jugendliche Campesinos, vergibt Stipendien
für einige Studierende, versendet Schulmaterial und vermittelt den
Kontakt zu deutschen Schülern. In Pilar existieren mehrere
Schulpatenschaften, in die Finanzhilfen für einen ordentlichen
Schulbetrieb eingeschlossen sind. Der Verein finanzierte den Bau einer großen
Primarschule und einer Vorschule; zur Zeit wird die Einrichtung
einer Jugendwerkstatt vorbereitet
In Asunción unterstützt der Verein den für paraguayische Verhältnisse ungewöhnlich fortschrittlichen
Montessori-Kindergarten "Jardín Activo", hilft bei der Ausstattung und
gewährt Stipendien für Kinder aus ärmsten Schichten.
"Niños del Abasto" heißt das jüngste Projekt. Dabei handelt es sich um eine Kindertagesstätte (s. Bild) für verwahrloste Kinder, die unter schlimmen Bedingungen auf dem Großmarkt der Hauptstadt Asunción arbeiten und leben.
Der Kinderhort ist Zufluchtsstätte für 80 Kinder, dort lernen und spielen sie, erhalten Essen sowie psychosoziale und ärztliche Betreuung.
Ein Team aus fünf Erzieherinnen, einem Psychologen und einer Köchin
arbeitet morgens und nachmittags und hat in kurzer Zeit schon
erstaunliche positive Veränderungen bei den Kindern erreicht
Ökologische Landwirtschaftsschule
Das derzeit größte Projekt ist die "Ökologische Landwirtschaftsschule San Juan" in Juan de Mena.
Dort lernen jugendliche Campesinos Methoden des biologischen Anbaus, um
sich eine Existenzgrundlage auf dem Land zu schaffen und nicht im Elend
der Städte zu enden.
Schon jetzt hat diese Schule Modellcharakter
im Land. Die Schule hat starken Zulauf, mit
Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (BMZ) wurde sie bereits ausgebaut. Zur Zeit lernen dort 40 Schüler und 40
Schülerinnen - letzteres ist besonders wichtig, weil hier auch Mädchen
gleiche Rechte und Ausbildungschancen erhalten.
Das obige Bild zeigt den deutschen Botschafter bei der Einweihungsfeier der Schule.
Kurzzusammenfassung
- Hilfsorganisation mit langer Tradition (seit 1992)
- entwicklungspolitische Projekte in Paraguay im Bereich des Gesundheits- und Bildungswesens sowie der Armutsbekämpfung
- Zusammenarbeit mit verschiedenen externen Partnern
Wie können Sie helfen?
- Geldspenden für die diversen Projekte des Vereins (z.B. auch als Online-Spende über PayPal; weitere Informationen finden sich auf der Website des Vereins)
- Mitgliedschaft im Verein
- aktive Beteiligung an den vielfältigen Informationsaktivitäten des Vereins
Weitere Informationen über die Pro Paraguay Initiative e.V. finden Sie auf der Website des Vereins.
Quellen:
http://www.proparaguay.de
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