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Hintergrund
Brasilien ist ein typisches Schwellenland mit einem hohen Grad an Industrialisierung. Als eines der sog. BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien, China)
gilt Brasilien als "Rohstofflager" der Welt mit einem enormen Potential
an Wirtschaftskraft und äußerst optimistichen volkswirtschaftlichen
Prognosen. Letztere machen das Land für ausländische Investoren hoch
interessant und tragen dazu bei, dass die wirtschaftliche Entwicklung
Brasiliens weiter voranschreitet.
Die Kehrseite der Medaille besteht - neben gravierendsten ökologischen Problemen - darin, dass ein großer Teil der Bevölkerung von den günstigen Wirtschaftsdaten in keiner Weise profitiert. Nach wie vor gibt es eklatante Einkomens-, Vermögens- und Grundbesitzunterschiede. Die Armutsrate Brasiliens lag im Jahr 2005 bei ca. 22%. (Quelle: Wikipedia)
In den Großstädten zeigen sich diese Diskrepanzen in der Entstehung und Ausbreitung von Elendsvierteln (Favelas), einer hohen Zahl von Straßenkindern und z.T. ausufernder Kriminalität und Drogenmissbrauch. In den ländlichen Gegenden dominiert vielerorts eine allgemeine Armut, die die Menschen weitgehend mittel- und landlos am Rande des Existenzminimums und ohne eine Perspektive auf Besserung leben lässt.
Besonders der ländliche Nordosten Brasiliens gilt als "Armenhaus" des Landes. Während die Region in der Kolonialzeit wegen großer Zuckerrohrplantagen die brasilianische Wirtschaft dominierte, gingt es vor allem seit der industriellen Revolution des Landes bergab. Die wirtschaftliche Macht verlagerte sich auf die urbanen Gegenden, insbesondere auf die Großstädte im Süden.
Nordost-Brasilien ist ein semi-arides Gebiet, in dem regelmäßige Dürrezeiten herrschen. Noch heute wird die Gegend auch als "Heimat der Landlosen" bezeichnet, in der feudale Besitzstrukturen die extrem ungerechten Besitzverhältnisse zementieren. Die Lebenserwartung beträgt im Nordosten 52 Jahre, 121 Kinder von 1000
sterben, bevor sie das sechste Lebensjahr erreichen. Zwei Drittel aller Nordestinos
(Leute des Nordostens) leben unter dem Existenzminimum. (Quelle: Aktionskreis Pater Beda)
Angesichts dieser Notlagen wurde im Jahr 1964 der heute als gemeinnützig anerkannte Verein "Aktionskreis Pater Beda für Entwicklungsarbeit e.V." gegründet. Der Verein finanziert und unterstützt unterschiedliche
Gruppen und Initiativen, die in den meisten Fällen im Nordosten
Brasiliens aktiv sind. Initiator und treibende Kraft des Vereins ist der im Jahr 1934 geborene Franziskaner Pater Beda (s. Bild).
Ein Lebenslauf und eine Schilderung der Arbeit Pater Bedas finden sich z.B. hier auf der Website des Aktionskreises.
Zielsetzungen
Die Vereinsziele sind in der Satzung wie folgt niedergelegt:
"Zweck des Vereins ist ein Engagement zugunsten einer gerechten Welt und damit der Entwicklungshilfe und der Völkerverständigung.
Dieses Ziel wird insbesondere erreicht durch:
-
Bildungs- und Bewusstseinsarbeit für die sozialen und pastoralen Problembereiche in den Entwicklungsländern, insbesondere in Brasilien.
-
Pflege des Dialogs und der Partnerschaft zwischen Brasilien und
Deutschland.
-
Förderung von Entwicklungsprojekten und Programmen, die die soziale
Gerechtigkeit fördern, vor allem unter dem Aspekt Hilfe zur Selbsthilfe.
Inhaltlich orientiert sich die Arbeit des Vereins an den pastoralen
Richtlinien der Franziskaner-Provinz vom Hl. Antonius in
Nord-Brasilien/Recife, der Franziskaner in Deutschland und der
brasilianischen Bischofskonferenz."
Mit diesen Leitgedanken ist der Aktionskreis Pater Beda in
verschiedenen Arbeitsschwerpunkten tätig. Dazu gehören die Bildungs- und
Öffentlichkeitsarbeit (z.B. in Schulen und Gemeinden), der Austausch
und Dialog von Brasilianern und Deutschen, die Vermittlung und
Begleitung von Projektpartnerschaften sowie die konkrete Unterstützung
und Betreuung verschiedener - von Partnern vor Ort betriebenen - Hilfsprojekte in Brasilien.
Projekte
Die von dem Aktionskreis geförderten Hilfsprojekte betreffen folgende Bereiche:
- Sozial- und Pastoralarbeit der Franziskaner
- Landarbeiterbewegungen, der Kommission für Landpastoral
- Menschenrechtsgruppen
- Pfarreien
- Kinder- und Straßenkinderprojekte
Wegen der gebotenen Kürze werden im Folgenden nur die von dem Verein unterstützten Kinder- und Straßenkinderprojekte kurz dargestellt. Ausführliche
Informationen - auch zu den nachfolgend nicht im Einzelnen beschriebenen Projekten - finden Sie hier auf der Website des Vereins.
Turma Do Flau
In dem Armenviertel Brasília Teimosa (Recife) arbeitet die
brasilianische Ordensschwester Aurieta D. Xenofonte seit über 18 Jahren
mit insgesamt 160 Kindern im Alter von 4-17 Jahren. Daraus entstand das
Kinderprojekt der Eisverkäufer - Turma Do Flau
Das Projekt zielt darauf ab zu verhindern, dass die Kinder auf den Straßen der Großstadt Recife landen. Dafür sind neben der allgemeinen Überzeugung, wie wichtig Schule und Bildung für ein zukünftiges Leben sind, konkrete Bildungsmaßnahmen erforderlich. Im Rahmen des Projekts erhalten die Kinder neben dem Besuch der öffentlichen Schulen einen
ergänzenden Förderunterricht angepasst an ihre Lebensrealität, mit einer
Pädagogik, die speziell für sie entwickelt wurde. In diesem Zusammenhang werden auch grundlegende berufsbezogene Fertigkeiten vermittelt.
Nova Vida
Dieses Projekt wurde im Jahre 1992 ins Leben gerufen.
Säulen des Projekts sind: (Aus-)Bildung,
Ernährung und Gesundheit. Durch eine Bindung an das Projekt schon in
jungen Jahren wachsen die Kinder und Jugendlichen, die allesamt in sehr
ärmlichen Verhältnissen in mehr oder minder intakten "Familien" leben,
mit und in Nova Vida auf. Auf Grund dieses engen Bezuges verringert
sich die Gefahr, dass die Kinder auf die falsche Bahn geraten, sehr.
Im Rahmen des Projekts werden verschiedene Angebote gemacht, wie z.B.: Kindergarten, Alphabetisierungskurs, Förderunterricht, Kunsthandwerkskurse, Werkstattunterricht, Computerkurs, Tanz-, Theater- und Musikgruppen.
Detaillierte Informationen zu dem Projekt "Nova Vida" finden sich hier auf der Website des Aktionskreises.
Kinderdorf "Cidade da Criança"
Das Kinderdorf "Cidade da Criança" liegt in der Stadt Simoes Filho, im
Bundesstaat Bahia, 30 km von der Hauptstadt Salvador entfernt. Das zunächst als Kinderdorf konzipierte Projekt wurde in den letzten
Jahren zu einer Kindertagesstätte und zu einem Ausbildungszentrum
umfunktioniert. In dem Kinderdorf werden verschiedene Bildungsangebote gemacht, die von betreutem Wohnen, Vorschularbeit, Musikunterricht u.a. bis hin zu berufsvorbereitenden (z.B. Berufsbildungskurs "Industrieküche") und hochschulpropädeutischen Maßnahmen reichen.
Das Kinderdorf "Cidade da Criança" ist eine auch in Deutschland
anerkannte Institution. Es gibt immer wieder junge Menschen, die hier
ihren Ersatzdienst, Praktika oder ein soziales Jahr ableisten - oder
einfach zum Helfen nach Brasilien kommen. Weitere Informationen zu diesem vielschichtigen Projekt finden Sie hier.
Verde Vida
Ziel des Projektes "Verde Vida " ("Grün ist Leben") ist es, einigen Kindern Schritte zu
einer besseren Zukunft zu ermöglichen, damit sie weder in den Favelas
der Metropolen landen, noch, wie die Eltern, in völliger Abhängigkeit
von Großgrundbesitzern das Land bearbeiten müssen. Dazu werden die Kinder einerseits schulisch begleitet, und auf der anderen Seite werden Ihnen grundlegende praktische Fertigkeiten des Gartenbaus und der Feldarbeit vermittelt.
Die kleinen Propheten
"Die kleinen Propheten" ist ein Hilfsprojekt zur Resozialisierung von Straßenkindern im Zentrum
der Großstadt Recife im Nordosten Brasiliens. Diese
Einrichtung wurde vor 22 Jahren als Projekt Clarion, einem Verein ohne
kommerziell-gewinnbringenden Zweck, gegründet mit dem Ziel, durch
fürsorgende Maßnahmen den auf der Straße lebenden Jungen und Mädchen zu
einem einigermaßen menschenwürdigen Leben zu verhelfen. Durch die
Erfahrungen auf der Straße formte sich aus der CPP im Laufe der Jahre
eine Einrichtung, die Kindern und Jugendlichen von der Straße eine
Basisvorsorge, Sozialisation und Bildung anbietet. Dadurch sollen diese
jungen Menschen in das soziale Leben integriert werden sowie ihre
Rechte als Staatsbürger vollständig ausüben können
Das Projekt wird hier sehr informativ beschrieben.
Kurzzusammenfassung
- Hilfsorganisation mit sehr langer Tradition (seit 1964)
- Initiator und Motor des Aktionskreises ist der Franziskaner Pater Beda
- Unterstützung verschiedener Hilfsprojekte, vorwiegend im armen Nordosten Brasiliens
- weitere Arbeitsschwerpunkte, wie z.B. Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit oder Austausch und Dialog von Brasilianern und Deutschen
Wie können Sie helfen?
Es gibt viele Möglichkeiten, wie Sie den Verein unterstützen können (Details s. hier), z.B.:
- Geldspenden
- Sachspenden
- Engagement für ein Partnerprojekt
- Benefizaktionen und Informationsveranstaltungen
Weitere Informationen über den Aktionskreis Pater Beda e.V. finden Sie auf der Website des Vereins.
Quellen:
http://www.pater-beda.de
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